Verrat, Farad und Brennergeschichten - eine Erlebniserzählung

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Es gibt 14 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Freek.

  • Servus,


    ein Motor besitzt normal einen 400V 3µF Anlaufkondensator (vielleicht auch einen Betriebskondensator, Schaltung aktuell unklar).

    Da dieser nicht verfügbar ist wird ein 420V 8µF Kondensator verbaut. Der Motor läuft wieder.


    Passiert etwas? Was sind die elektrischen Nebenwirkungen dieser Änderung?


    Danke und Gruß,

    F

  • Die 400V sind nur die Nennspannung für den Kondensator, der Motor selbst wird ja mit 230V betrieben.


    Alle Details hier:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kondensatormotor


    Ein kleiner stationärer Bandschleifer ( 150W ) in meiner Werkstatt tat sich mit dem Anlaufen irgendwie immer etwas schwer und wollte gerne angeschubst werden.

    Ich hab dann einen klitzekleinen 0,8 µF gegen einen externen 5er getauscht, das Gerät läuft nach 30 Jahren immer noch, auch im Dauerbetrieb.


    In diesem unteren Segment spielt ne Verachtfachung wohl nicht so ne große Rolle.

    An meiner Tischkreissäge ( 2,1KW ) war mal der 20µF Kondensator aufgequollen. Weil ich gerade nen gebrauchten 40er da hatte hab ich den angeschlossen, das ging so ca 10Min gut, dann hat die Thermosicherung ausgelöst, Motor war absolut brülleheiß.

    Neuen 20er gekauft, auch die Maschine läuft immer noch und auch ohne die Thermosicherung auszulösen.


    Will sagen, bei einem kleinen Motörchen macht die Fast-Verdreifachung von 3 auf 8µ nicht viel aus, aber wenn die Motoraufnahmeleistung mehr als ca 500-600W beträgt, dann solltest Du doch lieber einen etwas kleineren Kondensator nehmen.


    Wie immer versuchen die Hersteller zu sparen und Kondensatoren sind wie geschaffen dafür.

    Wenn Dir also der 3er durchgebrannt ist dann nimm 4 oder 5µF, sooo teuer sind die ja auch nicht.


    4,30€ wirste ja wohl noch haben:

    https://www.ebay.de/itm/Premiu…iDpcumJeYmcO1dQ:rk:1:pf:0


    Grüße

    O.

  • Ich frage deswegen so doof, weil ca. 6 Wochen nach Tausch des Kondensators die Wicklung des Motors durchgebrannt ist. Es handelt sich um einen Motor mit ~120W (230V, ja). Vorher lief das Motörchen für 30 Jahre als Brennermotor störungsfrei. Lager sind OK, dreht frei wie eh und je.


    Deine Geschichte mit dem Heißlaufen scheint mir da ja in die gleiche Richtung zu zeigen.


    Gibts noch andere Ideen?

  • Bin kein E-Techniker wie Du weisst, aber das Thema gabs halt schon öfters in meinem Leben.

    Sei es als Kurzschluß verursachender Entstörkondensator in Bohrmaschinen und Küchengeräten oder als "Flackerkondensator" in Leuchtstofflampen.


    Wenn die Kapazität des Kondensators zu groß ist, dann ist wohl auch der Phasenverschiebungswinkel zu groß, sodass die Magnetfelder im Motor irgendwie teilweise "gegeneinander" arbeiten, was die verstärkte Wärmeentwicklung erklären würde.


    Meine Aussage/Vermutung oben bzgl. < 500 Watt ist mit Deiner Erfahrung dann damit klar falsch, sorry.


    Warum eine Erhöhung des Kondensatorwertes bei dem einen Motor ( scheinbar ? ) nix macht und der Andere durchbrennt vermag ich Dir nicht zu sagen.

    Ein Motor in der Ölheizung ( das meinst Du wohl mit Brennermotor ) läuft aber auch unter ganz anderen Bedingungen als ein Bandschleifermotörchen in der Werkstatt.


    Lass mich raten:

    Son Motor gabs nicht mehr und deshalb hat Euch Euer Heizungsinstallateur einen kompletten neuen Brenner für > 1500 verkauft ?


    Mad_max, was sagst Du als Spezialist zu diesem Thema ?


    Grüße

    O.

  • Ach oggsi, das ganze ist noch etwas komplizierter sogar.

    Da die Brenneraufnahme entsprechend keinen neuen Brenner aufnimmt bzw. keine Aufnahme mehr lieferbar ist, die neue Brenner aufnehmen würde, wäre laut aktueller Sachlage eine komplette neue Heizung fällig.

    Neuer Brenner - würde ich sogar sofort nehmen, schon alleine wegen besserer Abgaswerte etc.


    Wir werden sehen - mit der OE-Nummer sind immerhin einige Motoren bei Dritthändlern aufgetaucht, die passen könnten.

  • Kommt eben drauf an, was das für ein Motor ist, ob Anlauf- oder Betriebskondensator.

    Ich gehe mal von Letzerem aus, da wirkt der Kondensator als Wechselstromwiderstand und liefert dauerhaft den Wicklungsstrom für die Hilfsphase. Je höher die Kapazität, desto größer wird der Strom in der Hilfsphase. Die Drehzahl wird sich aber dadurch nicht unbedingt erhöhen, sondern nur die Wicklungstemperatur, besonders wenn mal der Sättigungsstrom überschritten ist.


    Fazit also, immer den korrekten Kondensator besorgen. Die Dinger gibts zu Hauf in jeder Wunschfarbe.

  • Es war definitiv ein Betriebskondensator, da es nur einen gab und auch auf Grund des Aufdrucks "DB".

    Danke, genau diese Info brauchte ich, das lies sich nicht direkt im Internet finden, was es bedeutet, ich hatte es nur auf Grund der Kapazität = Strom vermutet.


    Wundervoll, wie ein "Experte" somit den Motor gekillt hat und mir so viele schöne Probleme beschert hat.

  • da wirkt der Kondensator als Wechselstromwiderstand

    na na na, ohne kleinlich sein zu wollen, ein Kondensator hat zwar einen Innenwiderstand, aber deswegen wird er ja nicht an einen Motor drangebaut, ( dafür könnte man auch einen regulären Widerstand nehmen ), sonder weil er dort als "Phasenschieber" dient.


    Fazit also, immer den korrekten Kondensator besorgen. Die Dinger gibts zu Hauf in jeder Wunschfarbe.

    Kann auch mal ein kleines bischen mehr Farad haben, aber wo vorher ein schwarzer Kondensator drin war, muss auch hinterher wieder ein Schwarzer rein. :eieiei:


    Grüße

    O.

  • Der Kondensator wirkt als Phasendreher UND als Widerstand zur Strombegrenzung. Ja, für letztere Funktion könnte man theoretisch auch zusätzlich einen Ohmschen Widerstand nehmen, macht aber keinen Sinn, da der Kondensator schon die Funktion erfüllt.

  • Hab zwar am Auto schon Elektrofehler gefunden, an denen ein Boschdienst gescheitert ist, aber meine Elektro-Theoretischen Kenntnisse halten sich in Grenzen, weshalb ich das an der Stelle nicht weiter ausdehnen will.


    Mir tut halt Freek sehr leid mit dieser Geschichte, Gebläsemotor läuft nicht mehr, jemand macht den falschen Kondensator dran, das Ding brennt durch, das Ersatzteil gibts nicht mehr, also neuer Brenner.

    Der neue Brenner passt aber nicht mehr an den Heizkessel, also neuer Heizkessel.


    D.h. ein ( Mehr- ? )Familienhaus steht ne Woche ohne Heizung und ohne Warmwasser da zzgl Kosten für Kessel und Einbau.


    Kaltes duschen soll zwar gesund sein, ist aber für mein Komfortverständnis trotzdem nicht unbedingt erstrebenswert.

    ( Vorbehaltlich, dass ich das alles richtig verstanden habe )


    Das ist so ziemlich das Gleiche, als wenn Du Dein Auto zum Ölwechsel in die Werkstatt gibst und Du anschliessend einen Motortotalschaden hast, weil die einen falschen Ölfilter ( oder sonstwas ) eingebaut haben. ( Wobei Du dabei zumindest noch die Chance auf Regreßansprüche hättest. )

  • Mir tut halt Freek sehr leid mit dieser Geschichte, Gebläsemotor läuft nicht mehr, jemand macht den falschen Kondensator dran, das Ding brennt durch, das Ersatzteil gibts nicht mehr, also neuer Brenner.

    Zuviel der Ehre, oggsi, dennoch danke fürs Mitgefühl! Der Kondensator war im übrigen silberfarben ;)

    Ja, das Wasser ist aktuell doch etwas kalt, die Räume kann man mit Holzofen und Heizlüfter überbrücken.

    Als Erfahrung für andere - wir haben viel viel Geld in Dämmung investiert, das macht sich gerade natürlich mehr als bezahlt.


    Das positive für mich - was über Niederleistungs-E-Motoren, Phasenverschiebung und Kondensatoren gelernt.

  • Provisorisch kann man sich auch mit Zusammenschaltung mehrer Kondensatoren behelfen, sofern vorhanden, z.B:

    Aus 2x 8µF mach 4µF durch Reihenschaltung.

    Aus 3x 1µF mach 3µF durch Parallelschaltung.

  • Vielen Dank für eure Beiträge, mittlerweile fühle ich mich ganz OK in der Materie.

    Die lustigen Rechnungen zu Serie- und Parallel kenne ich noch aus meinem elektrologischen Praktikum ;)


    Fakt ist, daß eine der 3 Phasen (logischerweise) komplett durchgebrannt ist. Dies ist dem Kondensator zu verdanken, wie mir nun auch andere bestätigten und die Hände über dem Kopf zusammenschlugen.


    Lustige Randinformation, wie so oft:

    Das Typenschild auf dem Motor selbst sagt anderes (Bauart als auch Leistung) als die Teilelisten beim Hersteller (110W vs 90W). Eines von beiden ist also falsch oder der Motor schlicht ein Bastard, da er nämlich auch noch rechtsdreht (EB95C35/2 oder EB95C28/2 144 RD), alle anderen sind linksdrehend.

    Ein anderer Brenner kanns wohl doch nicht werden, obwohl man mir heute Hoffnungen machte, daß die Brenneraufnahmen eigentlich standardisiert sind und dann ein Flansch draufkommt und Brenner X,Y,Z würden mit Adapter passen.

    Ich habe jedoch ein 8cm Loch in der Platte, alle "neueren" Brenner scheinen mit 10cm zu arbeiten. Bevor ich das nun unwiderbringlich aufschweisse...


    Also einen falschen 110W besorgt und Wicklungsstränge etc. durchgezählt - gleichviele, Stator sieht auch identisch aus. Spule passt auch von den Maßen und konstruktorisch in den alten Motor. Morgen gehts zum Motorinstandsetzer (hoffentlich), ggf. muss er mir noch durch Umlöten des Kondensators die Laufrichtung drehen. Und dann habe ich noch jemanden gefunden, der Motoren auf Anfrage baut.


    Das ziehe ich jetzt durch und wenn ich am Ende ne Bohrmaschine dranspaxe! :wand:

  • Freek

    Hat den Titel des Themas von „An die E-Techniker: Frage zu Farad“ zu „Verrat, Farad und Brennergeschichten - eine Erlebniserzählung“ geändert.
  • Bilder! Leider schlechte Quali wegen der Lichtverhältnisse.


    Ja, ich bin stolz, einen 1989er Niedertemperaturkessel (!) mit Blaubrenner (!) zu fahren, der eine Energieeffizienzeinstufung von C erhalten hat.

    Die ist u.a. auch deswegen so, weil es sich um einen Block handelt, der nach allen Regeln der Kunst auch abgedämmt ist, alle Rohre gedämmt sind und auch ein Niedertemperaturvorlauf inkl. Nachtabsenkung gefahren wird - alles volladaptiv mit Kurven, die von mehreren Sensoren abhängig sind.


    Die Spule ist durch den falschen Kondensator sogar so heiß geworden, daß es die Isolierungen der Kabel verschmolzen hat, die nach außen liefen.

    Schon damals im übrigen üblich bei Brötje, ein komplettes Typenschild mit allen Details über verbaute Einheiten und Nummern, das ist ja sehr löblich.

    Wenn ich mir da Vaillant und Konsorten anschaue - ein Dreck dagegen, da brauchste immer nen Heizungsbauer für Infos und die haben noch dazu 100 Varianten.


    Die Kabelführung habe ich aktuell anders gestaltet - mit 2 Bohrlöchern habe ich nur einen Schlitz gefeilt und habe das Kabel gleich rausgeführt, um im Gehäuse nicht unötig Druck auf den Kabeln zu haben. Der Kabelschuh wird dann noch anderweitig am Gehäuse fixiert. Das Kabel ist auch in rotem Silikon gelagert und mit Isolierband 2x gewickelt, gegen Vibrationen.



    Kesselwasser ist bei 55 Grad :):perfekt:


    Achso, Kostenpunkt: 60EUR für Spendermotor inkl. Versand, 5EUR Kleinmaterial, 10EUR Benzin zum Besuchen der Motorenbauer, 8h Arbeitszeit mit Zerlegen, Messen, Denken, Hinhalten, Bohren und Feilen.

    Nicht 900EUR für einen neuen Brenner (der eh nicht passen würde) und auch nicht 7-8000 für eine vergleichbare, neue Heizung!